Impfen mit Verstand und Augenmaß

von Monika Peichl

Jährliche Impfungen gegen alles und jedes sind mega-out. Das hat nun auch der Bundesverband Praktizierender Tierärzte zur Kenntnis genommen, der neue “Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis“ herausgegeben hat. Gegen Seuche soll demnach alle drei Jahre, gegen Schnupfen alle zwei Jahre nachgeimpft werden. Das ist zwar ein gewisser Fortschritt, aber immer noch willkürlich.

Katzenimpfungen von Seuche bis Tollwut

Jährliche Impfungen sind weder nötig noch harmlos. Auch bei Tieren halten Impfungen mehrere Jahre bis lebenslang (zB Katzenseuche). Ihr Immunsystem ist keineswegs schlechter als das des Menschen.

Die wichtigste Impfung für die Katze: Seuche

Katzenseuche (Panleukopenie, felines Parvovirus = FPV): erhältlich als Lebend- oder als Totimpfstoff. Nach Grundimmunisierung (zwei Impfungen im Welpenalter) hält der Schutz mindestens 7,5 Jahre, wahrscheinlich lebenslang. Die Impfung ist auch bei Wohnungskatzen sinnvoll, da der in der Umgebung sehr stabile Erreger vom Menschen eingeschleppt werden kann.

Impfungen, die bedingt sinnvoll sind:

  1. Katzenschnupfen

a.                      Felines Herpesvirus (FHV), auch Rhinotracheitisvirus genannt; Lebend- oder Totimpfstoff. Die Impfung verleiht keine sterile Immunität, geimpfte Katzen können sich infizieren und erkranken. Dauer der (eingeschränkten) Schutzwirkung von FHV-Impfstoffen: mindestens 7,5 Jahre (inaktivierte Vakzine).

 

b.                     Felines Calicivirus (FCV): Die schlechte Schutzwirkung fast aller derzeit am Markt befindlichen Impfstoffe (lebend oder inaktiviert) ist wissenschaftlich belegt. Caliciviren kommen in vielen Varianten vor, in der Regel schützt die Impfung nicht mehr gegen die im Feld auftretenden Stämme. Lebendimpfviren können im Impfling mutieren und andere (geimpfte!) Artgenossen infizieren. Seit Einführung der Calici-Impfung wird das Virus viel häufiger nachgewiesen als zuvor. Ob neue Calici-Impfstoffe besser sind (in Deutschland ist ein neues Produkt am Markt), wird sich zeigen müssen. Ein besserer Schutz wird wahrscheinlich nur vorübergehend bestehen, weil der Erreger sich weiter verändert.

 

  1. Felines Leukämievirus (FeLV, "Leukose"):
    Sinnvoll ist diese Impfung in erster Linie bei Jungtieren, bei denen ein Kontakt mit FeLV-infizierten Artgenossen nicht auszuschließen ist. Die Schutzwirkung der verschiedenen Impfstoffe ist sehr unterschiedlich, je nach Studie und Impfstoff von 100 bis nur 4,8 Prozent oder sogar negativ (bei der Testinfektion infizierten sich mehr geimpfte als ungeimpfte Katzen auf Dauer). Leben Katzen ständig eng mit FeLV-Ausscheidern zusammen, bietet auch jährliche Impfung keine Garantie. Neuzugänge in Katzengruppen sollten getestet sein. Vorsicht: Testergebnisse sind bei gesunden Katzen oft falsch-positiv, daher ggf. nachtesten lassen. Ausgewachsene Tiere besitzen eine gute körpereigene Abwehr gegen FeLV, die allermeisten werden bei kurzem Erregerkontakt damit selbst fertig. Die herkömmlichen FeLV-Impfstoffe mit Adjuvantien (in der Regel Aluminiumhydroxid) verursachen zusammen mit Tollwutimpfstoffen die meisten Impfsarkome. Wenn FeLV-Impfung, dann nach Möglichkeit einen Impfstoff ohne Adjuvans geben lassen. (In Deutschland ist inzwischen ein adjuvansfreier FeLV-Impfstoff am Markt.)

Impfungen, von denen abzuraten ist:

1.                      Chlamydien (bakterieller Erreger Chlamydia psittaci): In einigen Seuche-Schnupfen-Kombi-Impfstoffen enthalten. Notorisch schlechte Schutzwirkung, relativ hohe Nebenwirkungsrate (überdurchschnittliches Risiko von Überempfindlichkeitsreaktionen).

 

2.                      Impfstoff gegen FIP (Feline Infektiöse Peritonitis): Miserable Schutzwirkung wissenschaftlich erwiesen. Die Impfung steht im Verdacht, den Ausbruch der Krankheit sogar zu fördern. Bei den meisten Katzen ist sie sowieso sinnlos, da sie bereits infiziert sind mit dem meist harmlosen felinen Coronavirus (= Vorläufervirus des FIP-Erregers, der sich jeweils in der einzelnen Katze durch Mutation bildet, in der Regel bei Jungtieren unter starkem Streß).

 

 

Tollwut:

Tollwutimpfstoffe schützen mindestens drei Jahre. Durch die Änderung der deutschen Tollwutverordnung im Dezember 2005 sind jährliche Tollwutimpfungen auch hierzulande NICHT MEHR NÖTIG. Zwei Tollwutimpfstoffe haben nun eine Vierjahreszulassung bei Katzen. Daher ist die nächste Impfung erst nach vier Jahren fällig. Weil Tollwutimpfungen die meisten Impfsarkome bei Katzen verursachen, sollten Tierhalter/innen ihren (in Tollwutgebieten freilaufenden) Katzen denjenigen Impfstoff geben lassen, der die längste Mindestschutzdauer bietet. Wohnungskatzen brauchen keine Tollwutimpfung.

 

Nebenwirkungen von Impfungen:

1.                      Anaphylaktische (allergische) Reaktionen:

o        Anaphylaktischer Schock (Herz-Kreislauf-Versagen) unmittelbar nach der Impfung, muß sofort vom Tierarzt mit Antischockmitteln behandelt werden;

o        Durchfall und Erbrechen (manchmal blutig und mitunter tödlich); kann Stunden oder Tage nach dem Impfen auftreten, Todesfälle bei älteren Katzen

o        Atemprobleme

o         

2.                      andere Reaktionen:

o        Impfsarkom: Tumor an der Impfstelle, Häufigkeit: 1 bis 10 Fälle pro 10.000 Impfungen, führt auch bei großräumiger Operation fast immer zum Tode, der Tumor wächst sehr oft von neuem

o        Bewegungsstörungen, zentralnervöse Störungen (Schädigung von Hirn und Rückenmark)

o        Nierenschäden: (Seuche-Schnupfen-) Impfstoffe, die mittels Katzennierenzellkulturen hergestellt werden, sind möglicherweise (Mit-) Verursacher des heutzutage bei Katzen immer häufiger auftretenden chronischen Nierenversagens wg. Bildung von Antikörpern gegen das eigene Nierengewebe. (dazu laufen Studien an der Purdue-Universität)

Was tun, wenn der Tierarzt unbedingt impfen will?

Als Tierhalter bestimmen Sie, was an Ihrem Tier gemacht wird. Lassen Sie sich nicht einschüchtern. Achten Sie darauf, daß der Tierarzt Ihren Willen respektiert.

 

Läßt sich feststellen, ob ein Tier noch Impfschutz hat?

Titerkontrollen (Messung von Impfantikörpern im Blut) sind möglich für Katzenseuche (und Tollwut), jedoch nicht sinnvoll. Der Impfschutz besteht nicht nur aus Antikörpern. Durch Impfungen bilden sich Gedächtniszellen, die sehr lange vorhalten, durch normale Labortests aber nicht bestimmt werden können.

Links:

 

“Meine eigenen Haustiere werden als Welpen ein- oder zweimal geimpft und dann nie wieder, mit Ausnahme der Tollwutimpfung, die alle drei Jahre gegeben wird (...) Ich verfahre nach diesem Programm seit 1974, und es ist weder bei meinen Haustieren noch bei den Haustieren meiner Kinder und Enkel jemals eine Infektionskrankheit aufgetreten.”
 
Professor Ronald Schultz, Veterinärimmunologe an der Universität von Wisconsin, Madison

 

Copyright 2007: Monika Peichl (mopeichl@aol.com)
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Nachtrag:

 

Impfungen, von denen abzuraten ist:

1. Chlamydien (bakterieller Erreger Chlamydia psittaci): In einigen Seuche-Schnupfen-Kombi-Impfstoffen enthalten. Notorisch schlechte Schutzwirkung, relativ hohe Nebenwirkungsrate, weil Ganzkeim-Impfstoff (überdurchschnittliches Risiko von Unverträglichkeitsreaktionen). Außerdem fördert sie oft erst die Chlamydieninfektion, .


2. Impfstoff gegen FIP (Feline Infektiöse Peritonitis): Miserable Schutzwirkung wissenschaftlich erwiesen. Die Impfung kann den Ausbruch der Krankheit sogar fördern. Bei den meisten Katzen ist die Impfung sowieso sinnlos, da sie bereits infiziert sind mit dem meist harmlosen felinen Coronavirus (= Vorläufervirus des FIP-Erregers, der sich jeweils in der einzelnen Katze bildet, in der Regel bei Jungtieren unter starkem Streß).

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter www.haustierimpfung.de