Die Leukämievirusinfektion – FeLV – eine gefürchtete Krankheit

 

Krankheitsbild und Verlauf:

 

Die feline Leukämievirusinfektion (felin=zur Katze gehörend) abgekürzt FeLV, äussert sich in einer ganzen Reihe verschiedener Krankheitsbilder. Das Leukämievirus hat seinen Namen, weil es erstmals im Zusammenhang mit einer Leukämie, d.h. einer krankhaften Vermehrung der weissen Blutzellen gefunden wurde. Das Wort Leukämie (aus dem Griechischen) bedeutet eigentlich „Weissblütigkeit“. Die echte Leukämie mit Vermehrung der weissen Blutzellen im Blut tritt bei der Katze interessanterweise selten auf. Öfter kommt es zu einer krankhaften Vergrößerung der Lymphknoten, auch Lymphdrüsen genannt, oder des Thymus, einem Lymphdrüsen ähnlichen Organ im Brustraum.

 

Wenn Lymphknoten oder Thymus von der Vermehrung der Lymphozyten betroffen sind, spricht man besser von einer Leukose. Viel häufiger als diese Leukosesymptome verursacht das Leukämievirus aber Blutarmut und Immunschwäche.

 

Die Blutarmut äussert sich für den Tierbesitzer in auffallend bleichen Schleimhäuten in der Maulhöhle und im Auge. Sie entwickelt sich über Wochen und Monate.

 

Eine Schwächung des Immunsystems lässt sich dann vermuten, wenn das Tier unter Entzündung des Zahnfleisches, schlecht heilenden, eiternden Wunden, Ohrenentzündung, Durchfall und anderen ähnlichen Symptomen leidet. FeLV bedingte Erkrankungen führen immer zum Tod.

 

Das Virus und die Übertragung:

 

Beim FeLV handelt es sich um ein sogen. Retrovirus. Der Name Retrovirus wird vom Lateinischen  „retro“ = „zurück“ abgeleitet und besagt, dass der genetische Code, der in Form einer sogen. RNA (Ribonukleinsäure) vorliegt, zunächst in eine DANN (Doxyribonukleinsäure) Zurücküberschrieben wird und erst von hier aus dazu dient, die im Virus vorkommenden Eiweisse zu produzieren. Zu den Retroviren gehören übrigens auch das feline Immunschwächevirus (siehe unter FIV) sowie das HIV, das menschliche Immunschwächevirus, welches beim Menschen zu AIDS führt. Die Übertragung des FeLVs erfolgt hauptsächlich durch infizierten Speichel. Benutzung gemeinsamer Futtergefässe oder gegenseitiges Belecken führen leicht zur Übertragung der FeLV-Infektion. Nach Aufnahme in der Maulhöhle setzt sich das FeLV in den Lymphozyten, einer speziellen Klasse weisser Blutzellen, fest und wandert ins Knochenmark. Im Knochenmark findet die Vermehrung der weissen und roten Blutkörperchen statt, womit für das FeLV ideale Vermehrungsbedingungen geschaffen sind. Als Folge davon wird der Katzenkörper von Viren überschwemmt, es kommt zur sogen. Virämie, also zum Auftreten des Virus im Blut. Durch die Virämie werden die Speicheldrüsen infiziert und das FeLV wird mit dem Speichel an die Aussenwelt ausgeschieden.

 

Es gibt Katzen, welche nach kurzer Virämiedauer in der Lage sind, die Virämie aufgrund eines funktionierenden Immunsystems zu überwinden. Andere Tiere bleiben zeitlebens virämisch und scheiden grosse Mengen von infektiösem FeLV aus. Die dauernd infizierten Tiere laufen die grösste Gefahr, an einer FeLV-Infektion zu erkranken. Im Durchschnitt sterben die dauernd infizierten Katzen etwa zweieinhalb bis drei Jahre nach Beginn der Infektion. Bei sehr guter Haltung können einzelne Tiere aber wesentlich länger überleben, während schlecht gehaltene Tiere (wenig Zuwendung, unausgeglichene Fütterung, soziale Unverträglichkeit mit anderen Katzen) schon nach kurzer Virämiedauer erkranken und sterben Können.

 

Diagnose und Therapie:

 

Für den Nachweis des FeLV im Blut von Katzen steht heute ein Test zur Verfügung.

Dieser kann entweder durch den Tierarzt selbst durchgeführt oder in ein Labor geschickt werden. Wichtig ist, dass das Personal des Tierarztes in der Durchführung des Tests Erfahrung hat. Im Test wird das FeLV direkt nachgewiesen, wodurch die Ursache der Erkrankung präzise bestimmbar ist. Zur Beurteilung eines positiven Tests ist die Kenntnis des Verlaufs der Infektion wichtig. Viele Katzen können zwar infiziert – also FeLV positiv sein, bleiben aber während Wochen und Monaten völlig gesund. Da viele gesunde Katzen – im Gegensatz zu Tieren mit Krankheitssymptomen- von selbst in der Lage sind, die Infektion zu überwinden, darf ein einzelner positiver Test nicht als Anhaltspunkt für das Einschläfern einer Katze gewertet werden.

 

Viel eher muss man einer Katze mit positivem Test die Chance geben, von selbst über die Infektion hinwegzukommen. Dies bedeutet, dass man sie nach zwei bis drei Monaten nochmals testen sollte. Wir wissen heute, dass über 40 % der gesunden Katzen mit einem positiven Testresultat negativ, d. H. immun werden. Wenn bei einer positiven Katze die Krankheitssymptome schon ausgebrochen sind, sind die Chancen einer Heilung praktisch ausgeschlossen. Da wir keine zuverlässige Therapie kennen, sollte in diesem Fall der schwere Entschluss des Einschläferns nicht allzu lange hinausgeschoben werden.

 

Vorkommen und Bedeutung:

 

Die FeLV-Infektion ist weltweit verbreitet; sie kommt bei Gruppenhaltung von Katzen mit freiem Auslauf (z.B. Bauernhofkatzen) besonders häufig vor. Je nach Gegend schwankt die Häufigkeit der infizierten Katzen in Westeuropa zwischen 5 und 15 %.

 

Die Bedeutung der FeLV-Infektion ist in den letzten Jahren zurückgegangen, da nicht nur ein Testverfahren zur Verfügung steht, mit welchem infizierte Tiere erkannt und von nichtinfizierten getrennt werden können, sondern auch weil der Tierarzt wirkungsvoll gegen die FeLV- Infektion impfen kann.

 

Impfung:

 

Seit einigen Jahren stehen verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, darunter auch einer, der mittels der Methoden der Gentechnologie hergestellt wird und der sich als ausserordentlich wirksam erwiesen hat. Wie die Schnupfenimpfung sollte auch die FeLV-Impfung durch zwei Grundimmunisierungen im Alter von zwölf und sechzehn Wochen erfolgen.

 

Auch hier wird eine jährliche Wiederholungsimpfung empfohlen. Tiere, bei denen man nicht ausschließen kann, dass sie bereits mit dem FeLV in Kontakt gekommen sind, sind vor der Impfung zu testen. Falls die Impfung ohne Test durchgeführt wird, besteht ein gewisses Risiko, dass man eine bereits infizierte Katze impft. Selbstverständlich nützt in diesem Fall eine Impfung nichts, und die Katze erkrankt und stirbt ausgerechnet an jener Infektion, die man durch die Impfung vermeiden wollte. Wie bei allen Impfungen gilt auch hier, dass der Impfschutz nicht absolut ist.

 

Andere Massnahmen zur Infektionskontrolle:

 

Jede im Test positive Katze kann Virus ausscheiden und – auch wenn sie völlig gesund erscheint- andere Katzen anstecken.

Daher sollten FeLV positive Tiere wenn immer möglich von FeLV negativen getrennt gehalten werden. Wie oben erwähnt, kann auch eine geimpfte Katze sich mit dem FeLV infizieren, wenn der sogen. Infektionsdruck gross genug ist. Wenn z. B. ein geimpftes Tier mit einer virämischen Katze, die viel Virus ausscheidet, eng zusammen gehalten wird, die beiden Tiere sich sozial gut vertragen, sich gegenseitig belecken und aus dem gleichen Futtergefäss fressen, so ist es möglich, dass auch das geimpfte Tier sich eine dauernde Virämie zuziehen kann. Zur optimalen Infektionskontrolle ist es daher wichtig, dass dauernd FeLV – ausscheidende Katzen von den geimpften nach Möglichkeit getrennt werden. Ferner sind Tiere, im Zusammenhang mit dem Decken in einen neuen Bestand eingeführt werden, möglichst kurzfristig vor dem Einbringen in den neuen Bestand zu testen. Falls eine Katze wegen FeLV – Infektion eingeschläfert werden musste, ist die Gefahr der Ansteckung anderer Katzen praktisch sofort nach der Entfernung des infizierten Tieres gebannt. Dies deshalb, weil das FeLV an der Aussenwelt ausserordentlich empfindlich ist und seine Infektiosität duch Austrocknung rasch verliert.